Versicherung

Wie man sich richtig absichert


Von Philipp Heinz

Nur einer von 20 Bundesbürgern ist nach Ansicht von Verbraucherschützern richtig versichert. Oft werde zu falschen Verträgen geraten, weil die Provisionen dafür besonders hoch sind.

Versicherungen sind für die meisten Menschen kein Thema, mit dem sie sich gerne beschäftigen. Entsprechend gering ist das Wissen darüber, was wirklich nötig ist. Die Unsicherheit ist groß. Da nehmen viele Verbraucher das freundliche Angebot von Vertretern und Finanzvertrieben an, sich gegen alle möglichen Risiken abzusichern. Doch damit verschenkten die Bürger viel Geld, warnen Verbraucherschützer. Und den wirklich wichtigen Schutz haben viele trotzdem nicht.

Wie groß ist das Problem?

Wer falsch versichert ist, gibt im besseren Fall nur zu viel Geld für eine unnötige Absicherung aus. Im schlimmsten Fall geht der Schaden, wenn eine Police gegen existenzielle Risiken fehlt, in die Hunderttausende, wie Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg erklärt. Denn ein fahrlässig verursachter Unfall mit hohem Schaden kann einen Menschen schnell wirtschaftlich ruinieren. Das Fehlen von Versicherungen ist das eine Problem, das andere sind die Policen gegen alle möglichen Risiken, die Verbraucherschützer für wenig sinnvoll halten.

Was soll falsch sein an vielen Policen?

Die Annahme, wer sich gegen alle Risiken versichere, habe es gut gemacht, hält Castello für falsch. Vielmehr rät die Verbraucherschützerin zu einer anderen Überlegung: „Wie groß ist die Katastrophe, wenn mir was passiert?“ Wem also das Handy kaputtgeht, der kann die Zähne zusammenbeißen und sich ein neues kaufen. Wer allerdings so krank wird, dass er nicht mehr arbeiten kann, der steht vor dem wirtschaftlichen Aus – falls nicht eine Versicherung einspringt. Seit Jahren ist bekannt, dass die Deutschen Hunderte Millionen Euro für Versicherungen ausgeben, die sie nicht wirklich brauchen, und zugleich gegen wirklich große Risiken nicht oder nur schlecht abgesichert sind. „Überversichert heißt nicht gut versichert“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten.

Welche Versicherungen braucht man?

Eine private Haftpflichtversicherung ist nach Auskunft von Castello für jeden unverzichtbar. Die Beiträge sind vergleichsweise niedrig, der mögliche Schaden ohne Schutz aber unbezahlbar. Nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft haben dennoch 30 Prozent der deutschen Haushalte keinen Schutz gegen die private Haftpflicht. Wer berufstätig ist, sollte sich zudem gegen Berufsunfähigkeit absichern, denn der staatliche Schutz ist verschwindend gering. Berufsunfähigkeit trifft auch viele Arbeitnehmer, auch die in Büros. Wer die letzten zehn Jahre vor der Rente nicht mehr arbeiten kann, muss meist auf mehrere Hunderttausend Euro Gehalt verzichten. Wer eine Familie zu ernähren hat, sollte zudem eine Risiko-Lebensversicherung haben, damit die Angehörigen nicht verarmen, falls das Einkommen bei frühzeitigem Tod wegfällt. Eine Wohngebäudeversicherung ist ebenfalls unverzichtbar für alle, die in den eigenen vier Wänden wohnen. Gesetzlich Versicherte sollten sich zudem eine private Auslandskrankenversicherung zulegen, wenn sie in Länder reisen, in denen ihr Schutz nicht gilt.

Welche Policen sind verzichtbar?

„Man kann über jede Versicherung streiten“, findet BdV-Vorstand Rudnik. Verbraucherschützerin Castello: „Bei der Hausratversicherung fängt es an mit den Fragezeichen.“ Der Verlust der Inneneinrichtung sei zwar bitter, gefährde aber kaum die Existenz. So sei es eher eine Frage der Lebensqualität, wenn die Versicherung im Fall der Fälle die schönen Möbel aus dem 19. Jahrhundert ersetze. Zur Not könne man auch erst einmal bei Bekannten fragen, was bei ihnen noch im Keller stehe – und allmählich wieder einen Hausstand aufbauen. Während Castello Hausrat- und Unfallversicherungen noch einen begrenzten Nutzen zuschreibt, rät sie von vielen anderen Policen grundsätzlich ab. Dazu zählen Glasversicherungen, Insassen-Unfallversicherung und Reisegepäckversicherungen.

Was dürfen die Policen kosten?

Für maximal 100 Euro im Monat gibt es Castello zufolge schon den wichtigsten Schutz. „Wer dann noch etwas übrig hat, sollte den besser beiseitelegen, als Geld für weitere Versicherungen auszugeben“, rät sie. Wichtig ist ihrer und Rudniks Ansicht nach auch, ab und zu den bestehenden Versicherungsschutz kritisch zu prüfen. Oft haben sich die Lebensverhältnisse geändert und müssen anders versichert werden. Und manchmal gibt es den gleichen Schutz bei der Konkurrenz deutlich günstiger.



Überblick im Tarif-Dschungel

Es gibt ungezählte teils schwer verständliche Angebote auf dem Versicherungsmarkt. Ein paar Grundregeln sollte jeder kennen. Grundsätzlich gilt: Schäden, die die Existenz gefährden, sollten versichert werden. Alles andere ist Beiwerk, manchmal sogar Geldverschwendung. Auf einen Vergleich verschiedener Anbieter sollte niemand verzichten, denn die Preise weichen oft stark voneinander ab. Wer sich die Mühe nicht macht, zahlt mitunter doppelt so viel wie nötig. Wer eine Versicherung abschließen will, sollte auch wissen, wer daran verdient. Versicherungsvertreter zum Beispiel verdienen ihr Geld in der Regel über die Provision, die sie beim Abschluss eines Vertrages bekommen. Die Versicherungsgesellschaft belohnt also den Außendienstler dafür, dass er ihr Umsatz bringt. Edda Castello von der Verbraucherzentrale argwöhnt, dass Versicherungen zum Teil nur wegen der Höhe der Provisionen verkauft würden, nicht aber, um dem Kunden den besten Schutz zu vermitteln. So würden Risikolebensversicherungen kaum aktiv vertrieben, und nur ein Bruchteil der Haushalte habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Empfehlenswert seien dagegen die regelmäßigen Tests der Stiftung Warentest der verschiedenen Versicherungssparten, über die wir auf der Geld&Markt-Seite auch regelmäßig berichten.


Die Leistungen sind verkürzt und nur auszugsweise wiedergegeben.
Rechtsverbindlich ist der Wortlaut in den Sonderkonzepten
bzw. in den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

Letzte Änderung:
27.09.2011




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